Die nahe Zukunft des Werkzeug- und Formenbaus – Teil 2

Mögliche Reaktionen und Strategien

Im ersten Teil haben Sie gemeinsam mit uns einen Blick auf vier kommende Megatrends und Ihre Auswirkungen auf den Werkzeugbau geworfen. Nun wollen wir uns den Herausforderungen stellen und gemeinsam mögliche Lösungsstrategien beleuchten.

  • Demografischer Wandel
  • Globalisierung
  • Individualisierung
  • Industrie 4.0

Demografischer Wandel

Der demografische Wandel in Deutschland ist unaufhaltbar, doch das sollte kein Grund zum Verzweifeln sein!Digitalisierung

Ein großer Vorteil gegenüber Nachbarländern ist die duale Berufsausbildung. Zwar scheint es einfach, über möglicherweise fehlende Qualifikationen der Auszubildenden zu jammern. Wieviel einfacher wäre allerdings der Fachkräftemangel abzumildern, wenn in jedem ausbildenden Betrieb die Azubis als die wichtigsten Mitarbeiter von morgen angesehen würden.

Ein weiteres Potential sind die erfahrenen Mitarbeiter in der Produktion, die als Wissensträger aus dem Unternehmen ausscheiden. Oft sind sich diese nicht über Ihren Anteil am Unternehmenserfolg bewusst. Gleichzeitig wird das Erreichen des Rentenalters von den Betroffenen auch nicht immer als glückselig machend empfunden.Digitalisierung

Diese Leute haben Ihr Berufsleben an den Bearbeitungszentren verbracht und ein ums andere Mal das Unmögliche möglich gemacht.

Eine mögliche Reaktion, mit der man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann, sind partnerschaftliche Teams, bei denen ein „Silver Worker“ die Mentorenrolle für junge Mitarbeiter übernimmt.

Dazu passt ein Sinnspruch, den ich einmal auf einem Poster sah, und welcher bleibenden Eindruck auf mich hatte:Digitalisierung

„Rede mit älteren Menschen, die wissen tolle Sachen, die Du nicht weißt.
Rede mit jungen Menschen, die wissen tolle Sachen, die Du nicht weißt.“

Eine weitere Möglichkeit dem Fachkräftemangel zu begegnen, ergibt sich aus der Globalisierung.

Durch Zuwanderung kommen auch motivierte Menschen ins Land, die sich über eine Chance freuen. Natürlich sind bei der Integration viele Hürden zu überwinden, doch die Unternehmen, die diesen Weg gehen, finden oft Mitarbeiter, die eine überdurchschnittlich hohe Verbundenheit zu Ihrem Betrieb entwickeln.

Und auch Firmen, die zu klein sind, um die obengenannten Möglichkeiten nachhaltig zu nutzen, können etwas tun:

Entgegnen Sie dem Trend der Spezialisierung durch Kooperation!

Die Struktur des Werkzeug- und Formenbaus in Deutschland hat einen großen Vorteil: Es ist sehr wahrscheinlich, dass es in Ihrer Umgebung einen Betrieb ähnlicher Größe gibt. Finden Sie heraus, ob es Spezialisierungen gibt, die sich mit Ihren ergänzen. Gemeinsam über Nischen wachsen, statt auf dem großen (und sehr gut vergleichbaren) Markt untergehen!

Mittlerweile gibt es in vielen Regionen Unternehmenscluster, die genau diese Strategie verfolgen. Sichern Sie durch sinnvolle und ausgewählte Zusammenarbeit das Fortbestehen Ihres Unternehmens denn: „Gemeinsam ist man stärker als allein.“

Und eine weitere Chance: Die inhabergeführten Unternehmen, bei denen in den nächsten Jahren die Nachfolgefrage ansteht, finden möglichweise durch diese Strategien genau die Person, die den Betrieb in die Zukunft führen kann.

Globalisierung

Um der Globalisierung positiv zu entgegnen, hilft nur, sie aktiv anzugehen anstatt von ihr überrollt zu werden.Digitalisierung

Die Taktik des Vogel Strauß, den Kopf in den Sand zu stecken, wird hier nicht funktionieren. Wenn man jedoch die Globalisierung als Chance betrachtet, eröffnen sich Handlungsfelder, wie zum Beispiel eine Kooperation mit ausländischen Unternehmen.

Die Idee, Cluster zu bilden (s.o.) kann auch hier angewandt werden. Gerade hierfür bietet sich eine Zusammenarbeit innerhalb der EU an. Ein Werkzeug- und Formenbau in der Tschechischen Republik oder in Portugal (beispielhaft) hat die gleiche Konkurrenz aus Asien wie der deutsche Betrieb.

Man findet in der EU auch Unternehmen, deren technische Expertise auf ähnlichem Niveau ausgeprägt ist. Der klare Vorteil des Werkzeug- und Formenbaus innerhalb Deutschlands liegt wiederum bei den kurzen Wegen zum inländischen Kunden und bei der einfacheren Kommunikation durch die gleiche Kultur.

Diesen Betrieben, denen es hier gelingt eine Zusammenarbeit aufzubauen, bei der beide Seiten Ihren Vorteil haben und der Kunde zufrieden gestellt wird, schaffen eine Win-Win-Win Situation.

Eine weitere Lösungsstrategie ist die Steigerung der Flexibilität.

Wie wir im ersten Teil des Artikels gesehen haben, gibt es (fast) nichts Schlimmeres, als Aufträge wegen hoher Auslastung ablehnen zu müssen. Hier lautet die klare Empfehlung, flexibler in der Kapazität zu werden!

Sie könnten denken: Einfacher gesagt, als getan.

Da gebe ich Ihnen völlig Recht! Hier bietet es sich an, das eigene Kapazitätsmodell genauer verstehen zu lernen. Analysieren Sie doch einmal zusammen mit Ihren Mitarbeitern, an welcher Stelle am häufigsten Kapazitätsengpässe auftreten. Hierbei können Sie sich der Wertstromanalyse bedienen, die auch bei der Losgröße eins wertvolle Einblicke liefern kann.

Wenn Sie Ihre Seite der Kapazität genau verstehen, dann ziehen sie den Kreis weiter:

Fragen Sie Ihre Kunden!

Oft liegt hier der Schlüssel, das Auftragsvolumen ohne zusätzliche Investitionen zu steigern, indem Sie Ihre Jahresplanung mit der Ihrer Schlüsselkunden abgleichen. Holen Sie sich auch Transparenz über die Kapazität Ihrer Lieferanten. Stellen Sie sicher, dass sich der Engpass nicht ausgerechnet außerhalb Ihrer Prozesse (und somit außerhalb des direkten Einflusses) befindet.

Falls Sie häufig mit Fremdvergabe von Komponenten arbeiten, hilft CTRL-Tool Ihnen hier, die Transparenz dieser Aufträge zu erlangen.

Auch eine Ausweitung des Geschäftsmodells kann helfen, den eigenen Platz in der Globalisierung zu behaupten.

Mit der Nachfrage nach Fertigungskonzepten, die einen einheitlichen Standard bei globaler Fertigung gewährleisten, kommen auf den Werkzeug- und Formenbau neue Anforderungen zu.

Die Herausforderung besteht darin, nicht das beste Werkzeug zu bauen; sondern Konzepte anzuwenden, die unter unterschiedlichen Bedingungen an verschiedenen Standorten stabil qualitativ hochwertige Bauteile produzieren.

Ein weiteres Thema zur Differenzierung, ist Preventive Maintenance für Formen. Wenn der Werkzeugbauer die Standzeit „seiner“ Werkzeuge kennt, kann er dem Kunden frühzeitig die Überarbeitung oder auch Kapazitätswerkzeuge anbieten. Für den Kunden steigt hiermit der Wert der Dienstleistung, für den Werkzeugbauer ist es Zusatzgeschäft ohne große Vertriebskosten.

Individualisierung

Spätestens bei der Individualisierung und sinkenden Stückzahlen pro Werkzeug gibt es nur Nachteile für den Werkzeug- und Formenbau!Digitalisierung

Tatsächlich?

Wir sehen das etwas anders und schlagen folgende Strategien vor:

Machen Sie die Individualisierung zum Bestandteil des eigenen Angebots. Bieten Sie aktiv Wechselwerkzeuge und Werkzeugeinsätze an und berücksichtigen Sie diese Möglichkeiten bereits bei der Werkzeugkonstruktion.

So können z.B. bei Spritzgusswerkzeugen die Sichtseite der Form mehrfach mit unterschiedlichen Texturen angeboten werden. Der Kunde erhält zwei Bauteile aus einem Werkzeug. Auch Folienhinterspritzen kann Individualisierung bieten, ohne dass ein neues Werkzeug benötigt wird (je nach Geometrie).

Auch kann die Lebensdauer der Form nach den Anforderungen des Kunden gestaltet werden. Hier sind Optionen denkbar, die geringeren Stückzahlen entgegenkommen. Gerade mit dem Konzept der Preventive Maintenance hat dieser Ansatz Charme, da man dem Kunden das anbieten, was er tatsächlich benötigt.

Und es gibt weitere Möglichkeiten, die vor einigen Jahren so nicht verfügbar waren:

Die Additiven Fertigungsverfahren rund um den 3D-Druck. Diese sind nicht nur eine Bedrohung für den Werkzeug- und Formenbau!

Durch die Kombination von traditionellem Formenbau und Rapid Manufacturing Methoden kann auch hier ein Nutzen aus der Individualisierung gezogen werden. Gerne beraten wir sie hier, ob und wie additive Herstellungsverfahren auch bei Ihnen zum Einsatz kommen können.

Industrie 4.0

Wer sich in Zukunft erfolgreich behaupten will, sollte sein Geschäftsmodell der Digitalisierung anpassen.

Nur gute Leistung auf seinem Kerngebiet zu erbringen, reicht nicht mehr aus. Einige Vorschläge zu einem erweiterten Angebot haben wir bereits besprochen: Cluster, Flexibilisierung, Nutzen der Kundeninformationen, Individualisierung.Digitalisierung

Unser Rat: Seien Sie mutig! Wer sich offen gegenüber neuen Geschäftsmodellen zeigt und nicht die Einstellung „das haben wir immer schon so gemacht!“ bemüht, wird weitere Ideen erzeugen. Deren Umsetzung wird über die Zukunft des Betriebes im Jahr 2030 entscheiden.

Wir glauben daran, dass es sich auch in 12 Jahren noch auszahlt, ein zuverlässiger Partner für die Kunden zu sein.

Daher kann auch die zunehmende Transparenz durch die Digitalisierung ein Vorteil sein. Nutzen Sie die Möglichkeiten zur Darstellung der eigenen Leistung! CTRL-Tool ist hier eine elegante Lösung, um den gestiegenen Dokumentationsanforderungen nachzukommen, ohne in zusätzliches Personal für die Werkzeugberichte investieren zu müssen. Zugleich prägt sich bei den Kunden ein, wer wiederholt einen guten Job gemacht hat!

Schluss

Wir hoffen, Sie konnten aus unserem Beitrag einige Anregungen mitnehmen, mit denen Sie die Megatrends der nahen Zukunft meistern.

Wir freuen uns auf jeden Fall auf das, was kommt! Lassen Sie uns Ihre Meinung wissen. Sie können uns gerne kontaktieren und in einer Telefonberatung oder in einem Vororttermin erfahren, wie wir Sie fit machen für das Jahr 2030!Digitalisierung

Viele Grüße

CTRL-Tool

Michael Podolski

Quellen:
http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-05/duale-ausbildung-deutschland-azubi-mangel
http://www.familienunternehmer-news.de/ausgaben/2015/09/spritzguss-hat-potenzial.pdf
http://www.plastverarbeiter.de/70457/fakuma-2017-kleinserien-schnell-und-guenstig-produziert/
Bildquelle:
"Cyber communication and robotic concepts. Industrial 4.0 Cyber Physical Systems concept. Robot and Engineerer human holding hand with handshake and graphic for background" ©zapp2photo@fotolia.com
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